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cacert-de - Re: NSA und die Hintertür

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Re: NSA und die Hintertür


Chronological Thread 
  • From: ruedin AT gmx.net
  • To: cacert-de AT lists.cacert.org
  • Subject: Re: NSA und die Hintertür
  • Date: Thu, 12 Sep 2013 21:04:36 +0000 (UTC)

Danke für die beiden Antworten.

Stefan Betschon schrieb heute in seinem wöchentlichen "Meta-Tag" in der Neuen
Zürcher Zeitung (diese Woche nur im den Abonnenten zugänglichen Teil) passend:

Jetzt müssen wir wieder lernen, Geheimtinten anzurühren, von Hand im
abgedunkelten Zimmer lange Briefe zu schreiben, mit hochgeschlagenen
Mantelkragen vor toten Briefkästen herumzulungern. Die Ereignisse der
vergangenen Tage haben gezeigt, dass Robert Morris recht hatte. Dieser
Mathematiker beschäftigte sich in den 1980er und 1990er Jahren in leitender
Position bei der amerikanischen National Security Agency (NSA) mit
Computersicherheit.

In dieser Zeit kam Kryptologie auf die politische Agenda. In den USA beklagten
sich Geheimdienstvertreter in parlamentarischen Anhörungen, dass es ihnen
wegen der technischen Fortschritte nicht mehr möglich sei, verschlüsselte
Botschaften zu lesen. Gleichzeitig häuften sich Hinweise darauf, dass die NSA
weit verbreitete kryptografische Verfahren so manipuliert hatte, dass die
damit verschlüsselten Botschaften ihr zugänglich blieben. In diesem Klima
liess sich Morris 1995 als Redner verpflichten für einen Kongress der Crypto-
Rebellen, der unabhängigen, regierungskritischen Kryptologen. Welche Schlüssel
könne die NSA knacken, so wollte man von ihm wissen. Morris äusserte sich sehr
diplomatisch und formulierte als «Koan», als Merkspruch: «Unterschätze nie die
Aufmerksamkeit, die Risikobereitschaft, das Geld und die Zeit, die ein Gegner
bereit ist aufzuwenden, um Datenverkehr zu belauschen.» Aus diesem «Koan»
lassen sich die von Morris später formulierten «drei goldenen Regeln der
Computersicherheit» ableiten: «Besitze keinen Computer, schalte ihn nicht ein,
benutze ihn nicht.»

Doch nicht alle sind bereit zu resignieren und sich wieder mit Geheimtinten
und toten Briefkästen abzugeben. In einem flammenden Plädoyer im britischen
«Guardian» hat der amerikanische Sicherheitsexperte Bruce Schneier die
Ingenieure zum Widerstand aufgerufen. «Die Regierung und die Computerbranche
haben das Internet verraten.» Das Netz der Netze sei in eine
Überwachungsplattform verwandelt worden. «Wir müssen das Internet wieder an
uns reissen.»

«Wir müssen uns überlegen, wie wir das Internet überarbeiten können, um
grossflächige Überwachung zu verunmöglichen. Wir brauchen neue Verfahren,
damit Vermittler private Informationen nicht mehr veruntreuen können.» Es gehe
nicht allein um technische Probleme, aber das «Engineering» sei zentral. Wo
immer es um Technologiepolitik gehe, müssten Techniker involviert sein. «Wir
Ingenieure haben das Internet gebaut. Einige von uns haben es verdorben. Jetzt
müssen diejenigen unter uns, die für die Freiheit einstehen, es wieder
flicken.»




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